├╝ber die Angst . . . Mut . . . die Freiheit . . . und Herz

Angst

ich war ein sehr ├Ąngstliches Kind. Was auch nicht unbedingt ein Wunder war, denn meine Eltern waren mit sich selbst besch├Ąftigt, mit ihrer Beziehung, die schon lange nicht mehr gepa├čt hatte, mit dem Zwist, der schlie├člich zur Scheidung f├╝hrte. Das Sorgerecht erstritt sich danach mein Vater, wohl mehr, um meiner Mutter eins auszuwischen, denn viel Interesse an uns Kindern hatte er nie. Fu├čball war allemal wichtiger. Danach eine neue Ehe und eine Stiefmutter, die mich geha├čt hat. Die alles Negative auf mich projeziert hat. Die lange sp├Ąter gesagt hat, da├č es uns nie an etwas gefehlt h├Ątte ~ allenfalls an irgendwas Emotionalen . . . Sicherheit war in dieser Familie nicht zu finden.

Verflochten ~ Angst ... Mut ... Freiheit ... Herz
Verflochten ~ Angst … Mut … Freiheit … Herz

Das war aber nicht unbedingt eine au├čergew├Âhnliche Geschichte. Diese Generation, die im dritten Reich aufgewachsen ist, die die Indoktrination von Hitlerjugend und Bund Deutscher M├Ądel wie Muttermilch aufgesogen hat, die all die Dinge toll fand, die hinterher nicht mehr wahr sein durften, die Bombenregen und Hunger und Vertreibung mitgemacht hat, die die Schuld nur verdr├Ąngen konnte, die war emotional schwer gesch├Ądigt. Es soll ger├╝chteweise auch andere gegeben haben, aber das entzieht sich meiner pers├Ânlichen Erfahrung. Wenn man genauer hinschaut und ein wenig an der Borke kratzt, kommen darunter immer allerhand Katastrophen zutage . . .

Jumping at shadows ~ schon vor Schatten zur├╝ckzucken. Hinter jedem Busch lauert Gefahr, und trauen kannst du keinem. Aber was tun, wenn dein Leben dir keinen Halt bietet, wenn du das begr├╝ndete Gef├╝hl hast, da├č dein Leben in jeder Minute kippen kann ins Chaos?

Tr├Ąumen vielleicht von einer besseren Welt. Aber die sogenannte Realit├Ąt schl├Ągt dann doch immer wieder zu. Und reibt dir gnadenlos unter die Nase, da├č die Welt eben kein Ponyhof ist, keine gesch├╝tzte Freizeitinstallation, die zum Vergn├╝gen gestaltet und von allen Risiken bereinigt ist.

Was also tun? Um zu ├╝berleben in dieser emotionalen, von Albtr├Ąumen gepr├Ągten W├╝ste, um ein positives Bild von mir selbst zu bekommen, habe ich irgendwann damit begonnen, aktiv auf Situationen zuzugehen, die mir Angst gemacht haben. Am Anfang standen Spazierg├Ąnge im Dunkeln, drau├čen, wo es keine k├╝nstliche Beleuchtung gab, wo die Nacht voller Schatten war, die die Angst mit allen m├Âglichen D├Ąmonen f├╝llen konnte. Zuerst nur vorbeigehen an den Schatten, das Kribbeln im Nacken, das Str├Ąuben der Haare aushaltend. Sp├Ąter, Schritt f├╝r Schritt, hineinzutauchen in den Schatten, immer tiefer in die Dunkelheit, um herauszufinden, was sich da versteckt oder auch nicht, vor allem aber um zu lernen, mit meiner Angst umzugehen, ihr standzuhalten. Selbstvertrauen zu gewinnen.

In dieser Phase begann auch schon der Weg, meine Angst vor Menschen zu bew├Ąltigen. Dieser Mann, der mir da entgegenkommt, was wird der mir antun? Ist er ein Guter, einer, der einfach nur an mir vorbeigeht? Oder wird er mich packen, mich schlagen? Die Schritte, die du hinter dir h├Ârst, ist das auch nur ein Spazierg├Ąnger, oder hat der etwas vor? Nur wenn du dich traust, einer Gefahr, ob real oder eingebildet, zu begegnen, wirst du irgendwann dazu f├Ąhig sein, mit deiner Angst umzugehen ~ und MUT zu entwickeln. Mut ohne Angst ist kein Mut, ist nur Spiel, Gehabe, Angabe.

Mein n├Ąchtlicher Spazierweg f├╝hrte mich damals durch eine franz├Âsische Kaserne, die Stra├če links und rechts von hohen Mauern umgeben, unterbrochen von Toren, die jederzeit, auch nachts, von Posten mit Maschinenpistolen bewacht waren. Dunkelheit, sp├Ąrlichste Beleuchtung, Totenstille ~ eine Herausforderung, diese Strecke von zwei, dreihundert Metern zur├╝ckzulegen, die Augen auf das Ende dieser Stra├če gerichtet. Schritt f├╝r Schritt auf das von zwei Soldaten bewachte Tor zu, daran vorbei, und weiter . . . dann hinter mir ein kurzes mir unverst├Ąndliches Murmeln . . . ein Gru├č zur Nacht? Ich drehe den Kopf und spreche mein ‚bonne nuit!‘ . . . keine gute Idee, die Situation eskaliert. Ein kurzes Ritsch-Ratsch, als die MP durchgeladen wird, dann gellt mir ein ‚Allez -Allez!‘ entgegen und ich gehe langsam, mit ein St├╝ck weit erhobenen H├Ąnden weiter. Die jungen Burschen im Kampfanzug mit den MPs hatten genauso Angst wie ich, vielleicht sogar mehr . . .

Auch der Umgang mit Menschen, vor allem mit dem sogenannten sch├Ânen Geschlecht, wollte erst gelernt werden. Die Scheidung der Eltern fand gerade kurz vor der Einschulung statt, das erste Jahr der Schule war ich bei Pflegeeltern au├čerhalb untergebracht, soda├č ich nach der Schule mit dem Bus aus der Heimatstadt da hinfahren mu├čte. Kontakt mit Klassenkameraden au├čerhalb der Schule war so nicht m├Âglich. Dann kam noch ein Klinikaufenthalt von einem Vierteljahr dazu, und den Rest der Schulzeit war ich ein Einzelg├Ąnger. Soziale F├Ąhigkeiten, die andere zur rechten Zeit einfach so nebenbei erlernen, mu├čte ich mit reichlich Versp├Ątung und reichlich wenig Selbstvertrauen auf die harte Tour lernen ~ auch hier half nur eines: wenn du vor etwas Angst hast, dann geh darauf zu. Selbstvertrauen, Sicherheit, Mut ~ die bekommst du nicht geschenkt, wollen verdient, erarbeitet werden.

Sich ├╝ber die Ursachen von pers├Ânlichen Defiziten Klarheit zu verschaffen, das ist nur der erste Schritt. Es ist sicher hilfreich, ├╝ber eine wie immer gestaltete Therapie die Ursachen zu erforschen und Knoten, Traumata aufzul├Âsen zu suchen. Was aber den Umgang mit der Angst angeht, was zu ihrer ├ťberwindung beitr├Ągt, Selbstvertrauen und Mut macht, da hilft meiner Meinung nach nur eines: Auf das, was Angst macht, zuzugehen, sich mit ihr auseinanderzusetzen, ganz konkret, in Konfrontation. Das ist nicht einfach, das kostet ├ťberwindung, klappt vielleicht auch nicht beim ersten Mal. Nicht aufgeben: wer hinf├Ąllt, sollte wieder aufstehen und es noch einmal versuchen, immer wieder. Und irgendwann klappt das!

Die Methode funkioniert, das ist sicher. Ich, der ich in jungen Jahren mich kaum getraut habe, einem Menschen in die Augen zu schauen, habe inzwischen Kurse vor unz├Ąhligen Gruppen gehalten, habe vor mehreren hundert Menschen gesprochen. Ich habe keine Angst mehr vor Menschen, aber auch keine vor der Einsamkeit. Reise viel auch in Gegenden, wo ich lange Zeit alleine verbringe. Die Methode funktioniert sogar so gut, da├č man aufpassen mu├č, da├č man es nicht ├╝bertreibt, da├č man nicht die Vorsicht zu sehr verlernt. Davon aber weiter unten im Abschnitt Mut.

Wer diesen Weg lieber mit Unterst├╝tzung, begleitet von einem sachkundigen F├╝hrer, gehen will, f├╝hle sich frei, ├╝ber die Kontaktseite nachzufragen. Wir finden einen Weg!

Mut

Mut, Sicherheit, Selbstvertrauen, das sind Pfl├Ąnzchen, die nur wachsen, wenn sie einen guten (Mutter-)Boden vorfinden. Nicht jeder findet diesen Boden in seiner Kindheit vor. Sei es, da├č die Eltern selbst nicht sicher im Leben stehen und ihre Angst an die Kinder weitergeben, sei es, da├č ihnen die Gabe fehlt, ihren Kindern liebevoll zu vermitteln, da├č sie ein Wert-voller Mensch sind, da├č sie die F├Ąhigkeiten haben oder entwickeln k├Ânnen, mit allen Herausforderungen des Lebens klar zu kommen. Ein „Stell dich nicht so an!“, ein „Das wird dich schon nicht umbringen!“, ein dem├╝tigendes „Heulsuse!“ oder „Feigling!“ l├Ą├čt ein Kind alleine und hilflos zur├╝ck. Auch das Gegenteil davon, ├ťberbeh├╝tung aus der Angst heraus, dem Kind k├Ânne etwas zusto├čen, oder man k├Ânne es gar verlieren, m├╝ndet in der Unf├Ąhigkeit des Kindes, tats├Ąchliche oder vermeintliche Risiken einsch├Ątzen zu k├Ânnen, ihnen zu begegnen, und f├╝hrt direkt zur Angst. Es mag auch sein, da├č eine traumatische Erfahrung einen Menschen, ob jung oder alt, bricht, und dadurch das Vertrauen in die eigenen F├Ąhigkeiten, die Sicherheit, der Mut verloren geht.

Wenn die Angst ├╝berm├Ąchtig wird, dann hindert sie einen daran, zu wachsen und seinen Weg zu gehen. Wenn die Angst die Kontrolle ├╝bernimmt, dann ist keine Entwicklung mehr m├Âglich, denn Angst l├Ąhmt. Das Leben ist dann nur noch vegetative Existenz, die durch Mangel gepr├Ągt ist, das Leben verdorrt. Wenn man nicht lernt, der Angst zu begegnen und sie zu meistern, dann fehlen alle die positiven Erfahrungen, die das Leben lebenswert machen, die das Leben zur Freude machen. Dann ist es dringend notwendig, diese Situation zu ver├Ąndern.

Dabei ist nicht die Angst an sich das Problem, in der ‚gez├Ąhmten‘ Form der Vorsicht ist sie notwendige Voraussetzung f├╝r das (├ťber-)Leben. Angst ist in jeder Hinsicht normal und in Ordnung, man mu├č nur damit umgehen k├Ânnen! Angst kann durch Erfahrung gez├Ąhmt werden, durch die Erfahrung, Angst ├╝berwunden zu haben, durch die gute Erfahrung, trotz Angst seinen Weg gegangen zu sein, seine (auch sich selbst gestellte) Aufgabe erf├╝llt zu haben. Daraus entsteht dann Mut, Sicherheit, Selbstvertrauen. Der Anfang mag schwer sein, aber mit jeder Erfahrung des Erfolgs wird es leichter.

Mark Twain: Courage is not the absence of fear, it is acting in spite of it – Mut bedeutet nicht die Abwesenheit von Angst, es hei├čt, trotzdem zu handeln.

Selbst lernen, trotz Angst zu handeln und Selbstvertrauen gewinnen. Kinder so aufwachsen lassen, da├č sie sich m├Âglichst angstfrei entwickeln k├Ânnen und mit viel Selbstvertrauen und Freude das Leben meistern lernen. Das sollte Richtschnur sein.

Freiheit

Freiheit, ein Begriff, der so oft mi├čbraucht wurde und immer noch wird. Freiheit, die als leere Worth├╝lse in Politik und Werbung inflation├Ąr durch alle Medien schwirrt, unter der sich jeder vorstellen kann und darf, was immer ihm oder ihr gerade in den Sinn kommt. Was bedeutet Freiheit eigentlich? Und was hat sie mit dem Thema Angst und Mut zu tun? Geduld, wartet noch ein Weilchen. Vertraut mir. Der Kutscher kennt den Weg ­čÖé

Gehen wir das Thema einmal zuerst von der anderen Seite an, machen wir einen kurzen R├╝ckblick auf den letzten Abschnitt. So viel ist sicher: wer von der Angst beherrscht wird, der kann nicht frei sein, der hat keine Freiheit! Er kuscht entweder festgenagelt in seiner Ecke, oder er l├Ąuft davon, getrieben von seiner Angst, nur weg, ganz schnell weg. Wohin? Keine Ahnung, nur schnell weg, so weit wie m├Âglich!

Die Zeit, in der ich mir meine Freiheit erarbeitet habe, war eine Zeit des Aufbruchs, eine Zeit, in der alle gesellschaftlichen Regeln zur Disposition gestellt wurden, die vorgegebenen Lebenswege mit ihren Wegweisern zu Beruf und Karriere f├╝r viele ihre Bedeutung verloren hatten. Auch ich bin damals vom „rechten Weg“ abgewichen, den mir die Eltern und meine Lehrer vorgezeichnet hatten. Bin von der Schule abgegangen, ein Jahr vor dem Abitur, habe zuerst gejobbt und bin nach einem Jahr auf eine Reise gegangen, wie sie damals viele gemacht haben. Nach Griechenland und eine T├╝rkei, die noch kaum Tourismus kannte. Ohne Reiseb├╝ro, mit wenig Geld. Man stellte sich an die Stra├če und hob den Daumen, wurde von wildfremden Menschen mitgenommen, ohne da├č dazu ein fixes Ziel n├Âtig war. Man lie├č sich treiben von Tag zu Tag, mit nicht mehr Gep├Ąck als dem, was in einen Rucksack ging. Das wichtigste Utensil (neben meiner Kamera) waren ein Schlafsack und eine Iso-Matte, denn geschlafen wurde, es war Sommer, meist drau├čen, ein St├╝ck weg von der Stra├če, auf der blanken Erde, ├╝ber sich einen grandiosen Sternenhimmel mit der Milchstra├če als Zeiger einer nat├╝rlichen Uhr, die das langsame Verstreichen der Zeit andeutete so wie die Sonne, die jeden Morgen aufging und einen neuen Tag voller neuer Erlebnisse und Erfahrungen versprach. Jeder Tag ein neuer Tag, einer nach dem anderen. Von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang. Von Abendstern zum Morgenstern. Sieben Wochen lang.

Freedom’s just another word for nothing left to loose . . . feeling good was good enough for me . . . (Janis Joplin, Bobby McGee)

Es ist nicht so, da├č es immer einfach war. Oft genug ging nichts voran, ich stand ganze Tage irgendwo in der prallen Sonne und niemand hielt an. Es gab keinen gedeckten Tisch, an dem man einfach seinen Hunger stillen konnte, auch ein Badezimmer h├Ątte manchmal nicht schaden k├Ânnen. Zudem hatten Griechenland und die T├╝rkei damals gerade ein wenig Probleme miteinander, weshalb an der Grenze auf beiden Seiten unz├Ąhlige Panzer aufgereiht waren und man beim Grenz├╝bertritt mit dem Zug eine geschlagene dreiviertel Stunde ohne seinen konfiszierten Reisepa├č warten mu├čte, bevor es weiterging.

Aber es ging immer weiter, auch wenn es manchmal schwierig schien. Das ist mir von dieser Reise als Erfahrung geblieben. Da├č man mit sehr, sehr wenig auskommen kann. Da├č auf jeden vergangenen Tag ein neuer Tag folgt, mit neuen Erfahrungen, Begegnungen, neuen Menschen, Freundschaften. Diese Sicherheit hat mich in allen folgenden Jahren begleitet, in guten und in schlechten Zeiten, wie man so sagt. Denn eines kann einem niemand nehmen: die guten Erinnerungen und die Erfahrung, auch mit widrigen Umst├Ąnden zurecht gekommen zu sein.

Zur├╝ck zum Thema Freiheit. Was hei├čt Freiheit? Jederzeit tun und lassen zu k├Ânnen, was einem gerade beliebt? Heute dies, morgen das? Links oder Rechts, ach egal!? So mancher, der meinen obigen Reisebericht liest, mag mir diese Einstellung unterstellen wollen, wobei er aber weiter weg von der Wahrheit gar nicht landen k├Ânnte. Das w├Ąre letztlich nicht Freiheit, das w├Ąre Beliebigkeit. Aber Freiheit, das hei├čt vor allem und zuerst, freie Entscheidungen treffen zu k├Ânnen, sich ent-scheiden zu k├Ânnen. Das eine tun zu k├Ânnen, das andere lassen (sich davon scheiden) zu k├Ânnen. Dazu mu├č man zuallererst einmal wissen, was man will ~ und was nicht. Und wer sagt einem das?

Erinnern sie sich noch an das Zitat von Mark Twain weiter oben? Courage, das englische Wort f├╝r Mut, stammt wohl aus dem Franz├Âsischen, schreibt sich genau gleich, wird aber unterschiedlich ausgesprochen. Courage also, sinngem├Ą├č wieder abstammend von franz├Âsisch coeur, Herz, das wiederum vom lateinischen cor*, was je nach Kontext ├╝bersetzt werden kann mit: Herz, Gesinnung, Gef├╝hl, Gem├╝t, Mut, Seele, Sinn, Verstand, Geist, Einsicht . . . und da haben wir alles zusammen, was es braucht, in einem Begriff versammelt:

Herz

In unserer Zeit ist das Herz fast nur noch der Hohlmuskel, der das Blut durch unseren K├Ârper treibt, oder ein Symbol f├╝r die sogenannte ‚romantische‘ Liebe nach Schema F, wie sie in Schnulzen besungen und in der Daily-Soap auf den Fernsehschirm gebracht wird. Wie konnte nur so viel an Bedeutung verloren gehen? Herz, Sinn, Mut, Verstand. Geist. Einsicht. Nicht nur im Lateinischen ├╝brigens. Wer sich ein wenig mit dem Bedeutungsf├Ącher dieser Worte in allen europ├Ąischen Sprachen auseinandersetzt, wird in der einen oder anderen Form immer diese Verbindungen finden. Das Herz als Symbol f├╝r die Instanz in uns, die uns etwas dar├╝ber sagt, was Sinn macht, nicht ohne Verstand, und den Mut, sich ~ in Freiheit ~ f├╝r das Bessere zu entscheiden. Nicht nur egoistisch f├╝r sich selbst, sondern auch f├╝r die andern, f├╝r die Gemeinschaft, f├╝r das gro├če Ganze. Der Begriff Herz vereint auf diese Weise die Antipoden Gef├╝hl und Verstand, Sinn und Zweck, Individuum und Gemeinschaft, verbindet dich mit dem Universum. Wer in diesem Sinne den ganzen Bedeutungsspielraum des Begriffs Herz ber├╝cksichtigt, der wei├č dann auch, irgendwann, welche Entscheidung die jeweils richtige ist, und findet den Mut, den eingeschlagenen Weg zu gehen, in der Zuversicht, da├č dieser Weg da hin f├╝hrt, wo uns ein neuer Tag neue und gute Erfahrungen bringt.

Und f├╝r alle, die mir bis bis hierhin vertrauensvoll gefolgt sind, jetzt nochmal:

├╝ber die Angst . . . Mut . . . die Freiheit . . . und Herz

Das also ist, etwas poetisch ausgedr├╝ckt, die Freiheit, die ich meine: Die Freiheit, seinen G├Âttern folgen zu k├Ânnen.
Daf├╝r w├╝nsche ich euch allen, da├č ihr eurer Angst mit einer guten Portion Selbstvertrauen ins Auge schauen k├Ânnt, da├č ihr eurem Herzen vertraut, da├č es euch den richtigen Weg zeigt, und da├č ihr den Mut findet, diesen Weg zu gehen, auch bis zum Ende.

Para mi solo recorrer los caminos que tenien corazon, qualquier camino que tenga corazon. Por ahi yo recorro, y la unica prueba que vale es attravesar todo su largo. Y por ahi yo recorro mirando, mirando, sin aliento.

F├╝r mich gibt es nur das Gehen auf Wegen, die Herz haben, auf jedem Weg gehe ich, der vielleicht ein Weg ist, der Herz hat. Dort gehe ich, und die einzige lohnende Herausforderung ist, seine ganze L├Ąnge zu gehen. Und dort gehe ich und sehe und sehe atemlos.

Carlos Castaneda / Don Juan

* So oft ich mich ├╝ber meinen Lateinunterricht ge├Ąrgert habe, schon aus dieser einen Erkenntnis heraus hat sich der ganze Aufwand irgendwie gelohnt ­čÖé

vom Sinn . . .

Transparenz, Durchblick ~ durch zwei bemalte Scheiben
Transparenz, Durchblick ~ durch zwei bemalte Scheiben

Wenige Tage nur hat es gedauert, wenige Tage nur an denen ich nicht so eng im Umtrieb der menschlichen Zuvielisation eingebunden bin, und zugegebenerma├čen einige Tage eitel Sonnenschein ­čÖé haben gereicht, mir wieder bewu├čt zu machen, worin der Sinn dieses Lebens besteht. Der eine oder andere mag sagen, da├č es so etwas objektiv gesehen gar nicht gibt, da├č so eine ├╝berkandidelte Vokabel allenfalls subjektiv mit Inhalt versehen werden kann . . .

Jein!
Denn es gibt eine Konstante, die Sinn und damit auch Gl├╝ck f├╝r jedes Lebewesen dieser Welt ausmacht ~ das zu tun, f├╝r das die Anlagen in diesem Lebewesen da sind.

F├╝r den Vogel ~ zu fliegen
f├╝r den Fisch ~ zu schwimmen
f├╝r das Pferd ~ zu laufen

Wenn wir uns etwas tiefer in diesen Gedanken hineingleiten lassen, dann f├Ąllt uns noch mehr dazu ein. Wir haben

Augen ~ zu sehen
Ohren ~ zu h├Âren
Nase, Geruchssinn ~ zu riechen
Zunge, Geschmackssinn ~ zu schmecken
Finger, Haut ~ zu sp├╝ren

Und nicht nur das. Wir haben auch

Hirn ~ zu denken
Herz ~ zu f├╝hlen
Seele ~ um zu erfassen, da├č wir Teil sind, untrennbar, . . .

Teil des Seins, Teil des Universums, Teil des Mensch-Seins . . .

So gesehen ist der Sinn des Lebens eine recht einfach zu erfassende Sache. Diese Welt, dieses Universum schreit danach, wahr-genommen zu werden, gesehen, geh├Ârt, gesp├╝rt, vor allem aber gelebt.

Sehen, wie das Licht des Morgens durch die Zweige bricht, sehen, wie der Milan auf dem Wind gleitet, wie sein gegabelter Schwanz und die Finger seiner Schwingen eine B├Âe ausgleichen, h├Âren, wie ein Bach in den Flu├č murmelt, die Rinde einer alten Eiche sp├╝ren, den Duft eines vollbl├╝henden Baumes zu riechen, den Geschmack einer wilden Rauke zu schmecken.
Diese Welt, dieses Universum schreit danach, wahr-genommen zu werden, gesehen, geh├Ârt, gesp├╝rt, vor allem aber gelebt.

Und gerade im Fr├╝hjahr, wenn alles Leben wieder neu sprie├čt, wenn M├Ąnnchen und Weibchen einer jeder Gattung umeinander tanzen und turteln, k├Ânnte man auch auf den Gedanken kommen, zur├╝ck zu den Menschen zu gehen, um das MenschSein zu leben miteinander, sich gut zu tun auf die eine oder andere Weise. Denn auch der Mensch ist ein soziales Wesen ­čÖé

Was ich damit sagen will: der Sinn des Lebens liegt gerade nicht darin, zu ackern, um sich noch mehr Dinge leisten zu k├Ânnen, den gr├Â├čeren Flachbildschirm, das st├Ąrkere Auto, oder gar so abstrakte Dinge wie ein Bruttoinlandsprodukt zu maximieren. Denn das Leben ist nicht im Fernsehen, nicht im Internet, die wirklich relevanten Daten sind nicht in irgendeinem Spreadsheat versteckt. Das wirkliche Leben ist da drau├čen, vor der T├╝r. Und es braucht gar nicht so viel dazu, es zu leben.

Also Augen auf, Ohren auf, tief Luft geholt! Raus aus der Bude und Hirn, Herz und Seele ge├Âffnet f├╝r das, was uns dieses Universum bietet!

Eine kleine Anmerkung: Dieser Beitrag ist ein um einige Bilder gek├╝rzter Artikel aus meinem Reiseblog.

wohin rennt die Zeit?

Die Frage stellt sich der gestresste Mensch der Moderne in der Regel schon gar nicht mehr. Keine Zeit f├╝r das Nachdenken ├╝ber so komplizierte Themen, der n├Ąchste Termin, die n├Ąchste Pflicht ruft schon . . .

La├č uns trotzdem ein paar Gedanken ├╝ber die Zeit nachsinnen.

Im Verst├Ąndnis der modernen Physik ist die Zeit eng verbandelt mit dem Raum, genauer gesagt mit dessen Expansion. Die Zeit ist keine fixe Gr├Â├če mehr, die wie in einer Sanduhr gleichm├Ą├čig vor sich hin tr├Ąufelt, ihr Verlauf h├Ąngt stark von der Geschwindikeit ab, mit der sich Beobachter und Beobachtetes bewegen. Sogar die Gravitation, die das Raum/Zeitgef├╝ge verbiegt, ver├Ąndert den Ablauf der Zeit.

Die Zeitdilatiation f├╝hrt zu so spannenden Effekten, da├č f├╝r Reisende zu einem „nur“ 28 Lichtjahre entfernten Stern, also in unsere stellare Nachbarschaft, die nach einem Aufenthalt dort von sechs Monaten wieder zur├╝ck auf die Erde kommen, sich die vergangene Zeit zu 13 Jahren, 9 Monaten und 16 Tagen addieren (Messung mit an Bord befindlicher Uhr). Auf der Erde sind bei der R├╝ckkehr des Raumschiffes dagegen 60 Jahre, 3 Monate und 5 Stunden vergangen. Bei einer Reise zum etwa 2 Millionen Lichtjahre entfernten Andromedanebel w├╝rde sich die Differenz auf fast 4 Millionen Jahre vergr├Â├čern. Der Reisende k├Ąme nach 56 f├╝r ihn vergangenen Jahren zur├╝ck zu einer Erde, die er garantiert nicht wiedererkennen w├╝rde.

Ganz ab davon, da├č die technischen Mittel f├╝r eine gleichm├Ą├čige Beschleunigung von 1g ├╝ber Jahre hinweg zumindest nach heutigem Stand nicht verf├╝gbar sind, die Effekte treten messbar erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten auf, mehr je n├Ąher am Maximalma├č der (Licht-)Geschwindigkeit. F├╝r uns Menschen in unserem Alltag, die wir in Relation zum Licht doch sehr geruhsam unterwegs sind, sogar wenn wir die Bewegung unseres blauen Planeten durchs All und seine Rotation mit ber├╝cksichtigen, spielt das eine nur theoretische Rolle. Merken wir uns trotzdem: die Zeit scheint nur ein ruhig und gleichm├Ą├čig dahinflie├čender Flu├č zu sein!

Da├č Zeit in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verrinnt oder rast, ist aber auch in unserem Alltag eine st├Ąndige Erfahrung. Mal will sie ├╝berhaupt nicht vorbeigehen, sei es, weil so ganz und gar nichts passiert, oder wir in unangenehmen Situationen stecken, denen wir lieber gestern als heute wieder entfleuchen w├╝rden. Ein andermal rast sie so schnell, da├č wir uns hinterher wundern, wo sie geblieben ist.

Auch die Perspektive spielt eine Rolle: schauen wir in die Vergangenheit, erinnern wir uns an Ereignisse, die wir erlebt haben? Angenehme oder unangenehme? Zeitr├Ąume, in denen viel passiert ist, oder die mit g├Ąhnder Leere gef├╝llt sind? Oder schauen wir in die Zukunft, in gespannter oder freudiger Erwartung? Oder in Angst vor der Ungewissheit dessen, was sie uns bringt? Je nach Situation wird uns die Zeit in unterschiedlicher Geschwindigkeit vergehen.

Vergessen wir nicht den Punkt zwischen Vergangenheit und Zukunft, den Zeitpunkt, in dem unser, in dem DAS Leben stattfindet: Hier und Jetzt. Die Dynamik dieses Punktes, also was die Zeit treibt, das stelle ich jetzt mal ganz einfach in den Raum, wird durch W├╝nsche bestimmt: unseren eigenen W├╝nschen und den W├╝nschen der anderen.

Zwischen den eigenen W├╝nschen und denen der anderen zu unterscheiden ist manchmal gar nicht so einfach, ist aber lernbar und die Voraussetzung f├╝r das Bei-Sich-Sein. Dazu sp├Ąter mehr. Die W├╝nsche und Forderungen der anderen zu erkennen und danach zu sortieren, wie weit sie mit eigenen W├╝nschen im Einklang sind oder auch nicht, ob wir Ja! oder Nein! zu ihnen sagen k├Ânnen, wollen, sollen, ist die eine Sache. Wenn wir diese Unterscheidung nicht schaffen, sehen wir uns irgendwann in der Situation, da├č wir f├╝r die W├╝nsche und Forderungen dieser anderen unsere Lebenszeit vergeuden, und Schwupp!, da rast sie hin, die Zeit, und weg ist sie. Und unser Leben verwischt zu einer nicht mehr fassbaren, unscharfen Kollage. Dazu weiter unten die Abschweifung in die Photographie.

zoom ~ der Blick auf die eigenen W├╝nsche
zoom ~ der Blick auf die eigenen W├╝nsche
Aber auch die eigenen W├╝nsche sollten hinterfragt werden. Angeschaut und angef├╝hlt unter dem Gesichtspunkt des Wert-Seins. Was will ich haben, und vor allem, was, wer will ich sein? Wo will ich hin? Was ist mir das ‚Wert‘. Wert steht dabei weniger f├╝r den Wert in ÔéČuronen, sondern vor allem f├╝r den Wert, der durch die Investition von Lebenszeit flie├čt, die f├╝r uns alle nur in begrenztem Ma├č zur Verf├╝gung steht.

Die Einschr├Ąnkung der W├╝nsche auf die wirklich Wert-vollen f├╝hrt zu einer Entschleunigung des eigenen Lebens, die Konzentration auf die Wert-vollen zu einer Beschleunigung im positiven Sinn von Wert-vollen Erfahrungen und Entwicklung des Selbst-Seins.

Die Vorstellung von Zeit, die als Strahl, als Pfeil unser Leben von Geburt bis zum Tod beschreibt, ist mir dabei zu eindimensional. Auch hier lohnt sich wieder einmal ein Ausflug in die Metaebene. Das ‚Was will ich sein?‘ und ‚Wo will ich hin?‘ zwingt Geist und Seele dazu, die Dimension der Entwicklung ins Auge zu fassen. Wenn wir uns um den Strahl der Zeit sozusagen zus├Ątzlich ‚Breite‘ und ‚H├Âhe‘ vorstellen, kommen wir zu einem Bild unseres Lebens als dreidimensionalen K├Ârper, bereichert um die ‚Breite‘ von Erfahrung und die ‚H├Âhe‘ von Wachstum in sowohl geistiger als auch seelischer Dimension. Und wenn wir genau hinschauen und f├╝hlen, sehen wir dieses eigene Leben eingebettet in einen ‚Zeit~Raum‘, der weit ├╝ber unsere Lebenszeit und unser Selbst hinausragt.

Denn wir sind, wie individualistisch wir auch sein wollen, wie alleine wir uns manchmal auch f├╝hlen m├Âgen, immer eingebunden in die menschliche Gesellschaft, im engerem Sinn Familie, Partner, Freunde, im weiteren der Menschheit im Ganzen. Sowohl die der Vergangenheit, ohne die wir nicht w├Ąren, der Gegenwart, die unser Leben ist, als auch der Zukunft, die wir irgendwann nicht mehr erleben werden.

In diesem Sinne hei├čt mir Bei-sich-sein sowohl die eigenen W├╝nsche zu kennen, zu sehen, zu f├╝hlen, und zu leben. Aber auch das eingebettet-Sein in den Kontext der Menschheit, mit K├Ârper, Geist und Seele (die nur drei verschiedene Aspekte, Ansichten, derselben Sache sind ~ aber das w├Ąre wieder ein anderer Artikel in diesem Blog).

. . . nicht nur die Zeit flie├čt . . .
. . . nicht nur die Zeit flie├čt . . .

Und eingebettet-Sein auch in den Lebensraum unseres blauen Planeten Erde, und dem ganzen Rest des Universums, dessen Geschichte bis jetzt dreizehnkommaacht Milliarden Jahre w├Ąhrt, das bis jetzt dreizehnkommaacht Milliarden Lichtjahre weit ist.

Im Bewu├čtsein dieses eingebettet-Seins kann man versuchen, ├╝ber das eigene Selbst, ├╝ber das eigene Ego hinaus lebenswirksam zu sein. F├╝r die einen mag das ├╝ber die eigenen Kinder geschehen, die das Leben weitertragen, f├╝r die anderen darin, Ideen und Gedanken mit anderen Menschen zu teilen, bei sozialen oder ├Âkologischen Projekten mitzuwirken. F├╝r noch andere darin, bleibende Dinge zu schaffen, Kunst, Technik, Architektur, eine Organisation, die vielleicht Fortbestand hat, nach dem wir selbst schon lange nicht mehr leben. Alle diese Versuche m├Âgen im Angesicht einer Ewigkeit winzig klein und unbedeutend erscheinen, und doch ist es gut und wichtig, da├č sie gelebt werden.

Dynamik!
Dynamik!

Gestattet mir einen Ausflug in die Photographie, die einen gut Teil meiner Ausdrucksm├Âglichkeiten darstellt. Ein Photo ist ein zweidimensionales Abbild, herausgeschnitten aus einer im Minimum vierdimensionalen Realit├Ąt, bestehend aus den r├Ąumlichen Dimensionen H├Âhe, Breite, Tiefe und der vierten Dimenson, der Zeit. Wobei in der normalen Photographie die Zeit in Bruchteilen von Sekunden gemessen wird, von 1/50000 Sekunde, die ein Elektronenblitz aufleuchtet, ├╝ber die Verschlu├čzeit der Kamera von 1/4000 Sekunde bis hin zu 1/30 Sekunde. Alles dar├╝ber hinaus f├╝hrt wahrscheinlich zu Unsch├Ąrfe durch Bewegung, entweder der Kamera selbst oder des abgebildeten Objekts.

Umgekehrt ist aber die Unsch├Ąrfe durch Bewegung zu dem Symbol f├╝r Geschwindigkeit, f├╝r Dynamik geworden. Das gerichtet unscharf abgebildete Objekt oder auch das vor gerichtet unscharfem Hintergrund scharf abgebildete Objekt symbolisiert Tempo, Bewegung, damit den Ablauf von Zeit ~ und Entwicklung.

Und so ist die Dynamik des Lebens manchmal auch ein Symbol, ein Zeichen f├╝r eine Entwicklung, im besten Sinne dann f├╝r Wachstum und Reifung. Wenn die Richtung stimmt, sollten wir sie annehmen und schauen, da├č wir das Beste daraus machen k├Ânnen . . .

Coaching ~ vom Klienten aus gesehen

Was bringt einen Klienten dazu, die Hilfe eines Personal Coaches in Anspruch zu nehmen? Welche Erwartungen bringt er mit? Und wie kann ihm tats├Ąchlich geholfen werden?

Wer oder was ist ein (Personal) Coach? Zuallererst einmal ist er eine externe, nicht pers├Ânlich in die Situation involvierte Person, das hei├čt, er ist zumindest am Anfang nicht am Ursache-Wirkungsgeflecht beteiligt. Das erm├Âglicht es ihm, die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive heraus zu analysieren, als sie der Klient hat, n├Ąmlich von au├čen. Die Perspektive von innen heraus kennt der Klient in der Regel nur zu genau, in der kreisen seine Gedanken schon seit geraumer Zeit, ohne einen Ausweg zu finden.

Gedankenspirale ~ abw├Ąrts
Gedankenspirale ~ abw├Ąrts

Wenn der Druck zu stark wird, er keinen kompetenten Gespr├Ąchspartner findet, mit dem er sich austauschen kann, sei es, weil es den in seiner Umgebung nicht gibt, wahrscheinlicher aber eher deshalb, weil die kompetenten Menschen in seiner Umgebung selbst involviert, selber Partei sind und er sch├Ądliche R├╝ckkopplungen bef├╝rchtet, dann wird er in Erw├Ągung ziehen, diesen Gespr├Ąchspartner au├čerhalb zu suchen.

Was erwartet der Klient? Hilfe, ja, aber eher nicht als direkte Intervention, da w├Ąre sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich zum Beispiel ein Anwalt die bessere Wahl. Also Hilfe zur Selbsthilfe, Impulse f├╝r neue Einsichten, die ihn in die Lage versetzen, selbst einen Ausweg aus seiner Sackgasse, der Spirale seiner kreisenden Gedanken zu finden. Und wenn dieser Weg dann gefunden ist, Unterst├╝tzung auf dem Weg, den zu gehen er sich entschieden hat.

Da die Klienten und auch ihre jeweiligen Bed├╝rfnisse sehr unterschiedlich sein k├Ânnen, gilt dasselbe auch f├╝r die Methodik der Personal Coaches. Wer wie heute ├╝blich das Internet befragt, findet ein breites Angebot von Coaches mit unterschiedlichen Ans├Ątzen, auch die verschiedenen Methoden sind gut dokumentiert. Ein Jeder k├Ânnte also nach seinen individuellen Bed├╝rfnissen und Vorlieben seinen pers├Ânlichen Coach finden ~ wenn er denn schon im Voraus w├╝├čte, was ihm gut tut.

Wer seinen Schwerpunkt in der Verbesserung der Interaktion mit seinem Umfeld sucht, wird vielleicht mit dem Ansatz der Mediation oder der Systemischen Beratung lieb├Ąugeln, wer seine eigenen F├Ąhigkeiten, auf ein Ziel hinzuarbeiten, verbessern will, vielleicht mit NLP. Auch Sparring, das Trainieren von Konfliktsituationen mit dem Coach, ist eine M├Âglichkeit, oder die Arbeit mit Hypnose.

Aber wer mit einem dieser Labels etwas anfangen kann, hat schon eine genauere Vorstellung von seinen Pr├Ąferenzen. Vielleicht ist es auch nicht der erste Versuch, Unterst├╝tzung zu finden, vielleicht m├Âchte er diesmal ein anderes ‚Rezept‘ ausprobieren.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es Menschen, die schon bei dem Begriff „Coaching“ in Abwehr gehen, geschweige denn beim Gebrauch der Begriffe „Assets“ oder „Evaluierung“ oder „proaktiv“. Das habe ich nicht selbst erfunden, sondern zitiere aus einer Email, die ich bekommen habe. Vorsicht mit sogenanntem ‚professionellen‘ Coaching-Sprech ist also angesagt. Sprache dient der Kommunikation, unverst├Ąndliches Fachkauderwelsch verhindert sie.

Auf allen Seiten des Themas Coaching ~ Klient, Coach, Methoden ~ sind die M├Âglichkeiten weit gef├Ąchert. Was also erwartet Klient, was kann er erwarten, was soll er erwarten?

Zuallererst einmal: es geht um den Klienten, um seine Bed├╝rfnisse, seine Situation, seine Probleme. Er ist schlie├člich zahlender Kunde, der bei einem erst einmal Fremden Unterst├╝tzung sucht. Am Anfang dieser Beziehung mu├č eine Kl├Ąrung dar├╝ber stehen, was der Klient sich von der gemeinsamen Arbeit erhofft, mu├č die Analyse der Ausgangsituation stehen, mu├č ~ gegenseitig ~ Vertrauen geschafft werden. Erst dann, wenn man festgestellt hat, da├č man ‚miteinander kann‘, k├Ânnen im Dialog L├Âsungsm├Âglichkeiten, Ziele, Wege dahin ausgearbeitet werden, individuell auf den Klienten zugeschnitten. Und dann besteht die Aufgabe des Coaches darin, den Klienten auf den von ihm gefundenen und ausgesuchten Wegen unterst├╝tzend zu begleiten, so weit das gew├╝nscht ist. Denn letzlich wird keinem Klienten dadurch geholfen werden k├Ânnen, da├č man ihm einfach ein Konzept, eine Methode ├╝berst├╝lpt.

Was ein Klient braucht, ist ein kompetenter Gespr├Ąchspartner, der aus nicht direkt beteiligter Distanz, aber als zugewandter, zur Hilfe zur Selbsthilfe bereiter konstruktiver Zuh├Ârer zur Vef├╝gung steht. Der die Situation erfa├čt und Impulse gibt, damit der Klient selbst sich mental aus seiner Gedankenspirale befreien kann, sozusagen in die n├Ąchsth├Âhere Dimension klettert, in eine neue Perspektive, und von diesem ‚erh├Âhten Standpunkt‘ neue (eigene!) Wege f├╝r sich findet. Der ihm den Mut vermittelt, die auch zu gehen. Und ihn wenn n├Âtig auf diesen Wegen ein St├╝ck weit begleitet. Dann kann Krise auch als Chance f├╝r einen neuen Aufbruch begriffen werden.

Was sollte der Coach mitbringen? Nochmal, zuallererst die F├Ąhigkeit zuzuh├Âren, und zwar, ohne dem Klienten gleich seine eigenen L├Âsungsvorschl├Ąge aufzudr├Ąngen. Der Klient mu├č und kann seine eigenen Wege finden, denn nur die kann er mit gutem Gef├╝hl und dann auch Erfolg gehen. Er braucht allenfalls Impulse, um die in ihm selbst schon vorhandenen Keime zum Aufbl├╝hen und Wachsen zu bringen.

Was sonst macht einen guten Coach aus? Nun, m├Âglichst vielseitige Erfahrung sowohl im beruflichen als auch privaten Leben, die gedanklich ausf├╝hrlich reflektiert wurden, damit der Klient auch davon profitieren kann. Er mu├č den Klienten ernst nehmen, sich selbst auch. Und ein gutes Quantum Humor kann nie schaden!

Viel Vieh, oh Sophie! *

Die Erde ist eine Scheibe! Oder?
Und um die Erde dreht sich die Sonne und die Sterne, das macht die Erde zum Zentrum der Welt. Und der Mensch ist die Krone der Sch├Âpfung, dr├╝ber steht nur Gott der Allm├Ąchtige, der das alles erschaffen hat!

Antiquierte Ansichten, die, Gallilei und Kopernikus sei Dank, keiner mehr ernsthaft in Erw├Ągung zieht? Und doch ist die Kopernikanische Wende im menschlichen Denken noch lange nicht vollzogen. Wenn man das ÔÇ×GeschehenÔÇť in den Medien verfolgt, wenn man schaut, worum es in der Politik geht, wenn man den ÔÇ×Hassel um die KneteÔÇť, Stichwort Finanzm├Ąrkte beobachtet: Der Mensch ist ÔÇô immer noch ÔÇô das Zentrum der Welt!

the eye of the blue planet
the eye of the blue planet

Eine Frage der Perspektive, sicher! Schlie├člich betrachtet jeder die Welt von sich aus, aus den eigenen Augen heraus . . . und doch f├╝hrt diese Perspektive zu einem eingeschr├Ąnkten und damit eben auch falschem Bild von Welt, und f├╝hrt auch zu den ganzen Problemen, die uns st├Ąndig am Rand der Katastrophe halten, frei nach dem Motto: ÔÇ×Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir zwei Schritte weiter!ÔÇť ;-}

Wir sind ÔÇô sowohl im pers├Ânlichen wie auch allgemein menschlichen Ma├čstab ÔÇô immer die Ursache unserer eigenen Probleme. Was Not tut, ist eine Betrachtung der Welt aus einer anderen Perspektive, der wahlweise Wechsel des Standpunkts, sich selbst und den Menschen ÔÇ×an sichÔÇť ;-} auch mal von au├čen zu betrachten, um zu neuen Erkenntnissen, einem neuen Bild zu kommen von der Welt, auch vom Menschen, und am Ende vielleicht die Frage zu stellen, um die sich die moderne Welt so gerne herumdr├╝ckt, die Frage nach dem SINN . . .

Ein Hebel (des Archimedes), mit dem man diese menschzentrierte Welt aus den Angeln heben kann, ist die Zeit . . . und das Vergehen von Zeit, und damit verbunden die Verg├Ąnglichkeit . . . 13,7 Milliarden Jahre alt ist diese Welt, nach dem, was wir davon wissen. 13,7 Milliarden Jahre, 13.700.000.000 Jahre sind 13,7 mal Tausend mal Tausend mal Tausend Jahre. So lange ist also die Ewigkeit ÔÇô bis jetzt!!! Merkt euch dieses ÔÇ×bis jetzt!!!ÔÇť, denn ÔÇ×vorw├ĄrtsÔÇť gehts mindestens genauso weit!

Der Mensch, wie wir ihn kennen, taucht vor ca 160 Tausend Jahren auf, Geschichte im kulturellen Sinn macht er seit rund 7 Tausend Jahren, wenn wir den christlichen Glauben mal als Basis unserer westlichen Kultur nehmen (im Bedarfsfall kann jeder seine eigene Religion einsetzen und das Ganze dann umrechnen) reden wir gerade mal von 2 Tausend Jahren.

Ein menschliches Leben l├Ą├čt sich bis auf wenige Ausnahmen mit einer zweistelligen Zahl ausdr├╝cken, ohne Garantie, denn es kann schon sehr apprupt mit oder sogar vor der Geburt enden. Es kann jederzeit enden, nicht morgen, heute, vielleicht schon in der n├Ąchsten Sekunde . . .

am selben Ort ~ die Sonne geht unter
am selben Ort ~ die Sonne geht unter

Wenn wir also unsere menschliche Lebenzeit und besonders unsere eigene, pers├Ânliche Lebenzeit in Relation setzen zu der Zeit, die diese Welt, dieses Universum auf dem Buckel hat, dann hat das Konsequenzen f├╝r unser Bild von Welt und unsere Rolle in dieser Welt . . . die Dinge, die uns und unsere Welt normalerweise so umtreiben, sehen dann pl├Âtzlich so . . . winzig aus.

Und das ist wohl auch Grund, wieso zumindest wir in unserer westlichen Welt uns so ungern mit der Zeit (in dieser Dimension) besch├Ąftigen. Es gibt kein Mikroskop, das diese Gr├Â├čenunterschiede ├╝berbr├╝cken kann.

Um dem Ganzen noch ein Sahneh├Ąubchen aufzusetzen: Die R├Ąumlichen Dimensionen finden ihre Entsprechung in der zeitlichen Dimension. Wenn wir uns mal vorstellen, da├č das Licht in einer Sekunde an die 300 Tausend Kilometer zur├╝cklegt, dann ist das in einer Stunde, in einem Tag, in einem Jahr . . . aha! . . . und das Ergebniss dann mal 13,7 mal Tausend mal Tausend mal Tausend. Kilometer. So gro├č ist also unser Universum, bis jetzt! Denn es w├Ąchst immer noch . . . und unsere Erde befindet sich in einem Sonnensystem ziemlich am Rand einer Galaxie unter Milliarden von Galaxien, und unsere Astronomen und Physiker diskutieren ernsthaft die M├Âglichkeit von parallelen, weiteren Universen . . .

Man k├Ânnte nun der Meinung sein, da├č aus diesem Grund die Besch├Ąftigung mit dem Thema nicht hilfreich ist. Da├č das mit unserem ÔÇ×realenÔÇť Leben nichts zu tun hat und uns in diesem ÔÇ×realenÔÇť Leben deswegen nicht weiterhilft. Also weg mit den Hirngespinsten und weiter wie gehabt!?

MMnn!!! (Meiner Meinung nach nicht!!!).

Welche Realit├Ąt kann ein Leben haben, das sich um die gr├Â├čte aller Realit├Ąten, der eigenen Winzigkeit im Verh├Ąltnis zu den zeitlichen und r├Ąumlichen Dimensionen unseres Universums herumdr├╝ckt? Welchen Sinn? Welche Relevanz kann ein politisches System, eine Philosophie, eine Religion, Kunst und Kultur, soziales Engagement, die Erkl├Ąrung der Menschenrechte, kann unser eigenes Leben haben, wenn diese Erkenntnis ausgeblendet wird?

Ich m├Âchte da nicht mi├čverstanden werden. Ich will ganz bestimmt nicht sagen, da├č das das (individuelle oder auch allgemeine) menschliche Leben winzig und irrelevant ist. Aber es kann seine Relevanz und seinen Sinn nur in Bezug zu diesem Universum und dem Bewu├čtsein der eigenen Gr├Â├če im Verh├Ąltnis zur Gr├Â├če dieses Universums finden.

Und wenn man sich einmal angew├Âhnt hat, diese Welt in beiden Perspektiven zu sehen, mal vom Innen, vom Menschen aus, mal vom Aussen, vom Ganzen her, dann verschieben sich die Wertigkeiten. Das Bewu├čtsein der eigenen Endlichkeit kann schon mal dazu f├╝hren, da├č das Betrachten von Sonnenauf- und Unterg├Ąngen, vom Wind in den B├Ąumen, oder vom Rollen einer Welle wichtiger ist als der Dax, der neueste Hit, oder eine wie immer geartete Karriere.

Und nochmal gegen das Mi├čverst├Ąndnis: Es ist nicht der winzige kleine Mensch alleine in diese Welt geworfen, der traurig vor sich hinvegetiert. Es gibt das Gl├╝ck (und auch Spa├č), und sogar sowas wie Ewigkeit. Es liegt in der Identifikation, mit dem Mit-Menschen genauso wie mit dem Ganzen, mit dem Universum.

Uuuups, das ist jetzt schon wieder erkl├Ąrungsbed├╝rftig! Aber nicht mehr heute! ;-}

Wird fortgesetzt . . .

* zum Titel ~ der stammt aus einem Gedicht von Ernst Jandl

Eine Anmerkung zum Schlu├č ~ dieser Artikel ist direkt ├╝bernommen aus meinem Blog Notizen aus der Au├čenwelt, geschrieben im August 2011.

Perspektive, Perspektiven

Als Mensch, der seit fr├╝her Jugend versucht, seinem Er-Leben dieser Welt mit der Kamera in der Hand Ausdruck zu geben, m├Âchte ich als Einleitung zu diesem Blog einen Begriff als Dreh- und Angelpunkt in den Raum stellen, der f├╝r mich nicht nur phototechnisch von zentraler Bedeutung ist: Perspektive.

Perspektive ~ hier im gewohnten Fall der Zentralperspektive mit der Neigung zur Tunnelperspektive
Perspektive ~ hier im gewohnten Fall der Zentralperspektive mit der Neigung zur Tunnelperspektive

Die Perspektive h├Ąngt wesentlich vom Standpunkt ab, von dem aus wir auf ein Objekt schauen, das wir in einem Bild einfangen wollen. Je nach dem, von wo aus (mehr links, mehr rechts, oben, unten, oder gar von der anderen Seite) wir auf ein Objekt blicken, erhalten wir ein anderes Bild. Im Gegensatz dazu ├Ąndert ein Zoom hinein oder heraus nur den Bildausschnitt. Hineingezoomt sehen wir mehr Details, herausgezoomt haben wir mehr ├ťberblick, aber wenn man davon absieht, da├č Objekte aus dem Bild herausfallen k├Ânnen, ├Ąndert sich nichts an der Beziehung der Objekte eines Bildes zueinander. Will hei├čen, grunds├Ątzlich neue Erkenntnisse, neue Relationen, k├Ânnen wir nur dann erfassen, wenn wir unseren Standpunkt, und damit die Perspektive variieren.

Photographie ist Kommunikation, mit Bildern.
Schreiben, Reden ist Kommunikation, mit Bildern. Nur die Werkzeuge sind andere. Wichtig ist meiner Meinung nach die Erkenntnis, da├č wir in jeglicher Kommunikation mit Bildern zu tun haben, Bilder austauschen, um uns gegenseitig unsere pers├Ânlich erlebte Welt begreifbar zu machen. Die eine, einzige, unwandelbare Wahrheit ist eine Illusion, es gibt nur Bilder der Welt, betrachtet von verschiedenen Standpunkten, betrachtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Neugier auf die Bilder des Gegen├╝bers, Offenheit und Toleranz sind eine Basis, um zu gegenseitigen Erkenntnisgewinn und Vergn├╝gen Bilder auszutauschen. Und damit diese Welt reichhaltiger, bunter, und auch interessanter zu machen.

Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die ihr Bild von Welt f├╝r die eine unbestreitbare Wahrheit halten, die sie gegen die von anderen Menschen vehement verteidigen zu m├╝ssen glauben. Ohne das Bewu├čtsein, da├č man nur ├╝ber Bilder, gesehen vom eigenen Standpunkt, aus der eigenen Perspektive, spricht, f├╝hrt das dann in der Regel zu aggressiv gef├╝hrten Diskussionen. Dabei spricht man nur ├╝ber Facetten einer Wirklichkeit, die Mensch (sowohl als Individuum als auch als Menschheit) allenfalls erahnen kann.

Im Bewu├čtsein, da├č die Welt von facettenreicher, schillernder Gestalt ist, kann man die Bilder, die einem von anderen Menschen ├╝bermittelt werden, erfassen und darauf hin ├╝berpr├╝fen, ob sie mit der selbst beobachteten Welt ├╝bereinstimmen, ob sie neue Erkenntnisse bringen, L├╝cken f├╝llen, eine erweiterte Sicht der Wahrheit sein k├Ânnten. Um dann, und erst dann zu entscheiden, ob das ein „genau, so ist das, so habe ich das vorher nie gesehen“, oder ein „so k├Ânnte man das auch sehen“, oder aber ein „nun denn, so sieht das also der eine oder andere“ ist. Ob man das in sein Bild der Welt einf├╝gt, oder doch eher nicht. Und dann wenigstens die Erkenntnis mitnimmt, da├č diese Welt f├╝r andere, von deren Standpunkt aus, doch ganz anders aussieht.

Auf einen, entscheidenden Punkt kommt es allerdings immer an: funktioniert dieses Bild, hilft es, die selbst erlebte Welt zu verstehen und mit ihr, in ihr zu leben? Nach M├Âglichkeit wenn nicht gl├╝cklich, zumindest zufrieden zu leben? Wenn ja, dann ist alles gut. Wenn nein, dann sollte man anfangen, sich Gedanken zu machen. Denn mit nichts kann man┬á sein eigenes Leben so sehr aus der Balance bringen, wie mit einem nicht oder schlecht funktionierenden Bild von Welt und dem eigenen Standpunkt in ihr.