wohin rennt die Zeit?

Die Frage stellt sich der gestresste Mensch der Moderne in der Regel schon gar nicht mehr. Keine Zeit für das Nachdenken über so komplizierte Themen, der nächste Termin, die nächste Pflicht ruft schon . . .

Laß uns trotzdem ein paar Gedanken über die Zeit nachsinnen.

Im Verständnis der modernen Physik ist die Zeit eng verbandelt mit dem Raum, genauer gesagt mit dessen Expansion. Die Zeit ist keine fixe Größe mehr, die wie in einer Sanduhr gleichmäßig vor sich hin träufelt, ihr Verlauf hängt stark von der Geschwindikeit ab, mit der sich Beobachter und Beobachtetes bewegen. Sogar die Gravitation, die das Raum/Zeitgefüge verbiegt, verändert den Ablauf der Zeit.

Die Zeitdilatiation führt zu so spannenden Effekten, daß für Reisende zu einem „nur“ 28 Lichtjahre entfernten Stern, also in unsere stellare Nachbarschaft, die nach einem Aufenthalt dort von sechs Monaten wieder zurück auf die Erde kommen, sich die vergangene Zeit zu 13 Jahren, 9 Monaten und 16 Tagen addieren (Messung mit an Bord befindlicher Uhr). Auf der Erde sind bei der Rückkehr des Raumschiffes dagegen 60 Jahre, 3 Monate und 5 Stunden vergangen. Bei einer Reise zum etwa 2 Millionen Lichtjahre entfernten Andromedanebel würde sich die Differenz auf fast 4 Millionen Jahre vergrößern. Der Reisende käme nach 56 für ihn vergangenen Jahren zurück zu einer Erde, die er garantiert nicht wiedererkennen würde.

Ganz ab davon, daß die technischen Mittel für eine gleichmäßige Beschleunigung von 1g über Jahre hinweg zumindest nach heutigem Stand nicht verfügbar sind, die Effekte treten messbar erst bei sehr hohen Geschwindigkeiten auf, mehr je näher am Maximalmaß der (Licht-)Geschwindigkeit. Für uns Menschen in unserem Alltag, die wir in Relation zum Licht doch sehr geruhsam unterwegs sind, sogar wenn wir die Bewegung unseres blauen Planeten durchs All und seine Rotation mit berücksichtigen, spielt das eine nur theoretische Rolle. Merken wir uns trotzdem: die Zeit scheint nur ein ruhig und gleichmäßig dahinfließender Fluß zu sein!

Daß Zeit in unterschiedlichen Geschwindigkeiten verrinnt oder rast, ist aber auch in unserem Alltag eine ständige Erfahrung. Mal will sie überhaupt nicht vorbeigehen, sei es, weil so ganz und gar nichts passiert, oder wir in unangenehmen Situationen stecken, denen wir lieber gestern als heute wieder entfleuchen würden. Ein andermal rast sie so schnell, daß wir uns hinterher wundern, wo sie geblieben ist.

Auch die Perspektive spielt eine Rolle: schauen wir in die Vergangenheit, erinnern wir uns an Ereignisse, die wir erlebt haben? Angenehme oder unangenehme? Zeiträume, in denen viel passiert ist, oder die mit gähnder Leere gefüllt sind? Oder schauen wir in die Zukunft, in gespannter oder freudiger Erwartung? Oder in Angst vor der Ungewissheit dessen, was sie uns bringt? Je nach Situation wird uns die Zeit in unterschiedlicher Geschwindigkeit vergehen.

Vergessen wir nicht den Punkt zwischen Vergangenheit und Zukunft, den Zeitpunkt, in dem unser, in dem DAS Leben stattfindet: Hier und Jetzt. Die Dynamik dieses Punktes, also was die Zeit treibt, das stelle ich jetzt mal ganz einfach in den Raum, wird durch Wünsche bestimmt: unseren eigenen Wünschen und den Wünschen der anderen.

Zwischen den eigenen Wünschen und denen der anderen zu unterscheiden ist manchmal gar nicht so einfach, ist aber lernbar und die Voraussetzung für das Bei-Sich-Sein. Dazu später mehr. Die Wünsche und Forderungen der anderen zu erkennen und danach zu sortieren, wie weit sie mit eigenen Wünschen im Einklang sind oder auch nicht, ob wir Ja! oder Nein! zu ihnen sagen können, wollen, sollen, ist die eine Sache. Wenn wir diese Unterscheidung nicht schaffen, sehen wir uns irgendwann in der Situation, daß wir für die Wünsche und Forderungen dieser anderen unsere Lebenszeit vergeuden, und Schwupp!, da rast sie hin, die Zeit, und weg ist sie. Und unser Leben verwischt zu einer nicht mehr fassbaren, unscharfen Kollage. Dazu weiter unten die Abschweifung in die Photographie.

zoom ~ der Blick auf die eigenen Wünsche
zoom ~ der Blick auf die eigenen Wünsche
Aber auch die eigenen Wünsche sollten hinterfragt werden. Angeschaut und angefühlt unter dem Gesichtspunkt des Wert-Seins. Was will ich haben, und vor allem, was, wer will ich sein? Wo will ich hin? Was ist mir das ‚Wert‘. Wert steht dabei weniger für den Wert in €uronen, sondern vor allem für den Wert, der durch die Investition von Lebenszeit fließt, die für uns alle nur in begrenztem Maß zur Verfügung steht.

Die Einschränkung der Wünsche auf die wirklich Wert-vollen führt zu einer Entschleunigung des eigenen Lebens, die Konzentration auf die Wert-vollen zu einer Beschleunigung im positiven Sinn von Wert-vollen Erfahrungen und Entwicklung des Selbst-Seins.

Die Vorstellung von Zeit, die als Strahl, als Pfeil unser Leben von Geburt bis zum Tod beschreibt, ist mir dabei zu eindimensional. Auch hier lohnt sich wieder einmal ein Ausflug in die Metaebene. Das ‚Was will ich sein?‘ und ‚Wo will ich hin?‘ zwingt Geist und Seele dazu, die Dimension der Entwicklung ins Auge zu fassen. Wenn wir uns um den Strahl der Zeit sozusagen zusätzlich ‚Breite‘ und ‚Höhe‘ vorstellen, kommen wir zu einem Bild unseres Lebens als dreidimensionalen Körper, bereichert um die ‚Breite‘ von Erfahrung und die ‚Höhe‘ von Wachstum in sowohl geistiger als auch seelischer Dimension. Und wenn wir genau hinschauen und fühlen, sehen wir dieses eigene Leben eingebettet in einen ‚Raum‘, der weit über unsere Lebenszeit und unser Selbst hinausragt.

Denn wir sind, wie individualistisch wir auch sein wollen, wie alleine wir uns manchmal auch fühlen mögen, immer eingebunden in die menschliche Gesellschaft, im engerem Sinn Familie, Partner, Freunde, im weiteren der Menschheit im Ganzen. Sowohl die der Vergangenheit, ohne die wir nicht wären, der Gegenwart, die unser Leben ist, als auch der Zukunft, die wir irgendwann nicht mehr erleben werden.

In diesem Sinne heißt mir Bei-sich-sein sowohl die eigenen Wünsche zu kennen, zu sehen, zu fühlen, und zu leben. Aber auch das eingebettet-Sein in den Kontext der Menschheit, mit Körper, Geist und Seele (die nur drei verschiedene Aspekte, Ansichten, derselben Sache sind ~ aber das wäre wieder ein anderer Artikel in diesem Blog).

. . . nicht nur die Zeit fließt . . .
. . . nicht nur die Zeit fließt . . .

Und eingebettet-Sein auch in den Lebensraum unseres blauen Planeten Erde, und dem ganzen Rest des Universums, dessen Geschichte bis jetzt dreizehnkommaacht Milliarden Jahre währt, das bis jetzt dreizehnkommaacht Milliarden Lichtjahre weit ist.

Im Bewußtsein dieses eingebettet-Seins kann man versuchen, über das eigene Selbst, über das eigene Ego hinaus lebenswirksam zu sein. Für die einen mag das über die eigenen Kinder geschehen, die das Leben weitertragen, für die anderen darin, Ideen und Gedanken mit anderen Menschen zu teilen, bei sozialen oder ökologischen Projekten mitzuwirken. Für noch andere darin, bleibende Dinge zu schaffen, Kunst, Technik, Architektur, eine Organisation, die vielleicht Fortbestand hat, nach dem wir selbst schon lange nicht mehr leben. Alle diese Versuche mögen im Angesicht einer Ewigkeit winzig klein und unbedeutend erscheinen, und doch ist es gut und wichtig, daß sie gelebt werden.

Dynamik!
Dynamik!

Gestattet mir einen Ausflug in die Photographie, die einen gut Teil meiner Ausdrucksmöglichkeiten darstellt. Ein Photo ist ein zweidimensionales Abbild, herausgeschnitten aus einer im Minimum vierdimensionalen Realität, bestehend aus den räumlichen Dimensionen Höhe, Breite, Tiefe und der vierten Dimenson, der Zeit. Wobei in der normalen Photographie die Zeit in Bruchteilen von Sekunden gemessen wird, von 1/50000 Sekunde, die ein Elektronenblitz aufleuchtet, über die Verschlußzeit der Kamera von 1/4000 Sekunde bis hin zu 1/30 Sekunde. Alles darüber hinaus führt wahrscheinlich zu Unschärfe durch Bewegung, entweder der Kamera selbst oder des abgebildeten Objekts.

Umgekehrt ist aber die Unschärfe durch Bewegung zu dem Symbol für Geschwindigkeit, für Dynamik geworden. Das gerichtet unscharf abgebildete Objekt oder auch das vor gerichtet unscharfem Hintergrund scharf abgebildete Objekt symbolisiert Tempo, Bewegung, damit den Ablauf von Zeit ~ und Entwicklung.

Und so ist die Dynamik des Lebens manchmal auch ein Symbol, ein Zeichen für eine Entwicklung, im besten Sinne dann für Wachstum und Reifung. Wenn die Richtung stimmt, sollten wir sie annehmen und schauen, daß wir das Beste daraus machen können . . .

Coaching ~ vom Klienten aus gesehen

Was bringt einen Klienten dazu, die Hilfe eines Personal Coaches in Anspruch zu nehmen? Welche Erwartungen bringt er mit? Und wie kann ihm tatsächlich geholfen werden?

Wer oder was ist ein (Personal) Coach? Zuallererst einmal ist er eine externe, nicht persönlich in die Situation involvierte Person, das heißt, er ist zumindest am Anfang nicht am Ursache-Wirkungsgeflecht beteiligt. Das ermöglicht es ihm, die Angelegenheit aus einer anderen Perspektive heraus zu analysieren, als sie der Klient hat, nämlich von außen. Die Perspektive von innen heraus kennt der Klient in der Regel nur zu genau, in der kreisen seine Gedanken schon seit geraumer Zeit, ohne einen Ausweg zu finden.

Gedankenspirale ~ abwärts
Gedankenspirale ~ abwärts

Wenn der Druck zu stark wird, er keinen kompetenten Gesprächspartner findet, mit dem er sich austauschen kann, sei es, weil es den in seiner Umgebung nicht gibt, wahrscheinlicher aber eher deshalb, weil die kompetenten Menschen in seiner Umgebung selbst involviert, selber Partei sind und er schädliche Rückkopplungen befürchtet, dann wird er in Erwägung ziehen, diesen Gesprächspartner außerhalb zu suchen.

Was erwartet der Klient? Hilfe, ja, aber eher nicht als direkte Intervention, da wäre sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich zum Beispiel ein Anwalt die bessere Wahl. Also Hilfe zur Selbsthilfe, Impulse für neue Einsichten, die ihn in die Lage versetzen, selbst einen Ausweg aus seiner Sackgasse, der Spirale seiner kreisenden Gedanken zu finden. Und wenn dieser Weg dann gefunden ist, Unterstützung auf dem Weg, den zu gehen er sich entschieden hat.

Da die Klienten und auch ihre jeweiligen Bedürfnisse sehr unterschiedlich sein können, gilt dasselbe auch für die Methodik der Personal Coaches. Wer wie heute üblich das Internet befragt, findet ein breites Angebot von Coaches mit unterschiedlichen Ansätzen, auch die verschiedenen Methoden sind gut dokumentiert. Ein Jeder könnte also nach seinen individuellen Bedürfnissen und Vorlieben seinen persönlichen Coach finden ~ wenn er denn schon im Voraus wüßte, was ihm gut tut.

Wer seinen Schwerpunkt in der Verbesserung der Interaktion mit seinem Umfeld sucht, wird vielleicht mit dem Ansatz der Mediation oder der Systemischen Beratung liebäugeln, wer seine eigenen Fähigkeiten, auf ein Ziel hinzuarbeiten, verbessern will, vielleicht mit NLP. Auch Sparring, das Trainieren von Konfliktsituationen mit dem Coach, ist eine Möglichkeit, oder die Arbeit mit Hypnose.

Aber wer mit einem dieser Labels etwas anfangen kann, hat schon eine genauere Vorstellung von seinen Präferenzen. Vielleicht ist es auch nicht der erste Versuch, Unterstützung zu finden, vielleicht möchte er diesmal ein anderes ‚Rezept‘ ausprobieren.

Am anderen Ende des Spektrums gibt es Menschen, die schon bei dem Begriff „Coaching“ in Abwehr gehen, geschweige denn beim Gebrauch der Begriffe „Assets“ oder „Evaluierung“ oder „proaktiv“. Das habe ich nicht selbst erfunden, sondern zitiere aus einer Email, die ich bekommen habe. Vorsicht mit sogenanntem ‚professionellen‘ Coaching-Sprech ist also angesagt. Sprache dient der Kommunikation, unverständliches Fachkauderwelsch verhindert sie.

Auf allen Seiten des Themas Coaching ~ Klient, Coach, Methoden ~ sind die Möglichkeiten weit gefächert. Was also erwartet Klient, was kann er erwarten, was soll er erwarten?

Zuallererst einmal: es geht um den Klienten, um seine Bedürfnisse, seine Situation, seine Probleme. Er ist schließlich zahlender Kunde, der bei einem erst einmal Fremden Unterstützung sucht. Am Anfang dieser Beziehung muß eine Klärung darüber stehen, was der Klient sich von der gemeinsamen Arbeit erhofft, muß die Analyse der Ausgangsituation stehen, muß ~ gegenseitig ~ Vertrauen geschafft werden. Erst dann, wenn man festgestellt hat, daß man ‚miteinander kann‘, können im Dialog Lösungsmöglichkeiten, Ziele, Wege dahin ausgearbeitet werden, individuell auf den Klienten zugeschnitten. Und dann besteht die Aufgabe des Coaches darin, den Klienten auf den von ihm gefundenen und ausgesuchten Wegen unterstützend zu begleiten, so weit das gewünscht ist. Denn letzlich wird keinem Klienten dadurch geholfen werden können, daß man ihm einfach ein Konzept, eine Methode überstülpt.

Was ein Klient braucht, ist ein kompetenter Gesprächspartner, der aus nicht direkt beteiligter Distanz, aber als zugewandter, zur Hilfe zur Selbsthilfe bereiter konstruktiver Zuhörer zur Vefügung steht. Der die Situation erfaßt und Impulse gibt, damit der Klient selbst sich mental aus seiner Gedankenspirale befreien kann, sozusagen in die nächsthöhere Dimension klettert, in eine neue Perspektive, und von diesem ‚erhöhten Standpunkt‘ neue (eigene!) Wege für sich findet. Der ihm den Mut vermittelt, die auch zu gehen. Und ihn wenn nötig auf diesen Wegen ein Stück weit begleitet. Dann kann Krise auch als Chance für einen neuen Aufbruch begriffen werden.

Was sollte der Coach mitbringen? Nochmal, zuallererst die Fähigkeit zuzuhören, und zwar, ohne dem Klienten gleich seine eigenen Lösungsvorschläge aufzudrängen. Der Klient muß und kann seine eigenen Wege finden, denn nur die kann er mit gutem Gefühl und dann auch Erfolg gehen. Er braucht allenfalls Impulse, um die in ihm selbst schon vorhandenen Keime zum Aufblühen und Wachsen zu bringen.

Was sonst macht einen guten Coach aus? Nun, möglichst vielseitige Erfahrung sowohl im beruflichen als auch privaten Leben, die gedanklich ausführlich reflektiert wurden, damit der Klient auch davon profitieren kann. Er muß den Klienten ernst nehmen, sich selbst auch. Und ein gutes Quantum Humor kann nie schaden!

über das Logo

Hsü-t'ang Chih-yü, 1266 an die Wolken reichen
Hsü-t’ang Chih-yü, 1266
an die Wolken reichen

Und was hat nun dieses chinesische Schriftzeichen oben in der Welle zu suchen? Was soll es bedeuten?

Dieses eine Zeichen xião ist einer Kalligraphie des Ch’an-Mönchs der Lin-Chi-Sekte Hsü-t'ang Chih-yü entnommen, der sie im Jahr 1266 als Motto über der Türe seiner Zelle angebracht hatte. Die Bedeutung der gesamten Kalligraphie ling-xião ist ‚an die Wolken reichen‘ oder auch ‚zu den Wolken emporsteigen‘, das linke Zeichen xião bedeutet in der weiblichen Form Wolke, in der männlichen Form Himmel.

Ab von der graphisch-ästhetischen Schönheit des Schriftzeichens öffnet es also einen ganzen Fächer von Assoziationen ~ hin(auf) zu dem, was wir uns wünschen und ersehnen, hin auch zu einem Bild der Wandlungsfähigkeit, Formbarkeit, und damit auch zu Kreativität.

Wer hat nicht als Kind, auf dem Rücken in einer Wiese liegend, die wechselnde Form der Wolken beobachtet und als Bilder interpretiert. Ein Hund, ein Stier, ein Drache? xião ist für mich der Ansporn, die Welt immer wieder mit Neugier zu betrachten und neu zu interpretieren, neue Assoziationen zu knüpfen, Zusammenhänge herzustellen, mein Bild von Welt vielfältiger und reicher zu gestalten.

Sinn macht Freude!

Viel Vieh, oh Sophie! *

Die Erde ist eine Scheibe! Oder?
Und um die Erde dreht sich die Sonne und die Sterne, das macht die Erde zum Zentrum der Welt. Und der Mensch ist die Krone der Schöpfung, drüber steht nur Gott der Allmächtige, der das alles erschaffen hat!

Antiquierte Ansichten, die, Gallilei und Kopernikus sei Dank, keiner mehr ernsthaft in Erwägung zieht? Und doch ist die Kopernikanische Wende im menschlichen Denken noch lange nicht vollzogen. Wenn man das „Geschehen“ in den Medien verfolgt, wenn man schaut, worum es in der Politik geht, wenn man den „Rassel um die Knete“, Stichwort Finanzmärkte beobachtet: Der Mensch ist – immer noch – das Zentrum der Welt!

the eye of the blue planet
the eye of the blue planet

Eine Frage der Perspektive, sicher! Schließlich betrachtet jeder die Welt von sich aus, aus den eigenen Augen heraus . . . und doch führt diese Perspektive zu einem eingeschränkten und damit eben auch falschem Bild von Welt, und führt auch zu den ganzen Problemen, die uns ständig am Rand der Katastrophe halten, frei nach dem Motto: „Gestern standen wir am Abgrund, heute sind wir zwei Schritte weiter!“ ;-}

Wir sind – sowohl im persönlichen wie auch allgemein menschlichen Maßstab – immer die Ursache unserer eigenen Probleme. Was Not tut, ist eine Betrachtung der Welt aus einer anderen Perspektive, der wahlweise Wechsel des Standpunkts, sich selbst und den Menschen „an sich“ ;-} auch mal von außen zu betrachten, um zu neuen Erkenntnissen, einem neuen Bild zu kommen von der Welt, auch vom Menschen, und am Ende vielleicht die Frage zu stellen, um die sich die moderne Welt so gerne herumdrückt, die Frage nach dem SINN . . .

Ein Hebel (des Archimedes), mit dem man diese menschzentrierte Welt aus den Angeln heben kann, ist die Zeit . . . und das Vergehen von Zeit, und damit verbunden die Vergänglichkeit . . . 13,7 Milliarden Jahre alt ist diese Welt, nach dem, was wir davon wissen. 13,7 Milliarden Jahre, 13.700.000.000 Jahre sind 13,7 mal Tausend mal Tausend mal Tausend Jahre. So lange ist also die Ewigkeit – bis jetzt!!! Merkt euch dieses „bis jetzt!!!“, denn „vorwärts“ gehts mindestens genauso weit!

Der Mensch, wie wir ihn kennen, taucht vor ca 160 Tausend Jahren auf, Geschichte im kulturellen Sinn macht er seit rund 7 Tausend Jahren, wenn wir den christlichen Glauben mal als Basis unserer westlichen Kultur nehmen (im Bedarfsfall kann jeder seine eigene Religion einsetzen und das Ganze dann umrechnen) reden wir gerade mal von 2 Tausend Jahren.

Ein menschliches Leben läßt sich bis auf wenige Ausnahmen mit einer zweistelligen Zahl ausdrücken, ohne Garantie, denn es kann schon sehr apprupt mit oder sogar vor der Geburt enden. Es kann jederzeit enden, nicht morgen, heute, vielleicht schon in der nächsten Sekunde . . .

am selben Ort ~ die Sonne geht unter
am selben Ort ~ die Sonne geht unter

Wenn wir also unsere menschliche Lebenzeit und besonders unsere eigene, persönliche Lebenzeit in Relation setzen zu der Zeit, die diese Welt, dieses Universum auf dem Buckel hat, dann hat das Konsequenzen für unser Bild von Welt und unsere Rolle in dieser Welt . . . die Dinge, die uns und unsere Welt normalerweise so umtreiben, sehen dann plötzlich so . . . winzig aus.

Und das ist wohl auch Grund, wieso zumindest wir in unserer westlichen Welt uns so ungern mit der Zeit (in dieser Dimension) beschäftigen. Es gibt kein Mikroskop, das diese Größenunterschiede überbrücken kann.

Um dem Ganzen noch ein Sahnehäubchen aufzusetzen: Die Räumlichen Dimensionen finden ihre Entsprechung in der zeitlichen Dimension. Wenn wir uns mal vorstellen, daß das Licht in einer Sekunde an die 300 Tausend Kilometer zurücklegt, dann ist das in einer Stunde, in einem Tag, in einem Jahr . . . aha! . . . und das Ergebniss dann mal 13,7 mal Tausend mal Tausend mal Tausend. Kilometer. So groß ist also unser Universum, bis jetzt! Denn es wächst immer noch . . . und unsere Erde befindet sich in einem Sonnensystem ziemlich am Rand einer Galaxie unter Milliarden von Galaxien, und unsere Astronomen und Physiker diskutieren ernsthaft die Möglichkeit von parallelen, weiteren Universen . . .

Man könnte nun der Meinung sein, daß aus diesem Grund die Beschäftigung mit dem Thema nicht hilfreich ist. Daß das mit unserem „realen“ Leben nichts zu tun hat und uns in diesem „realen“ Leben deswegen nicht weiterhilft. Also weg mit den Hirngespinsten und weiter wie gehabt!?

MMnn!!! (Meiner Meinung nach nicht!!!).

Welche Realität kann ein Leben haben, das sich um die größte aller Realitäten, der eigenen Winzigkeit im Verhältnis zu den zeitlichen und räumlichen Dimensionen unseres Universums herumdrückt? Welchen Sinn? Welche Relevanz kann ein politisches System, eine Philosophie, eine Religion, Kunst und Kultur, soziales Engagement, die Erklärung der Menschenrechte, kann unser eigenes Leben haben, wenn diese Erkenntnis ausgeblendet wird?

Ich möchte da nicht mißverstanden werden. Ich will ganz bestimmt nicht sagen, daß das das (individuelle oder auch allgemeine) menschliche Leben winzig und irrelevant ist. Aber es kann seine Relevanz und seinen Sinn nur in Bezug zu diesem Universum und dem Bewußtsein der eigenen Größe im Verhältnis zur Größe dieses Universums finden.

Und wenn man sich einmal angewöhnt hat, diese Welt in beiden Perspektiven zu sehen, mal vom Innen, vom Menschen aus, mal vom Aussen, vom Ganzen her, dann verschieben sich die Wertigkeiten. Das Bewußtsein der eigenen Endlichkeit kann schon mal dazu führen, daß das Betrachten von Sonnenauf- und Untergängen, vom Wind in den Bäumen, oder vom Rollen einer Welle wichtiger ist als der Dax, der neueste Hit, oder eine wie immer geartete Karriere.

Und nochmal gegen das Mißverständnis: Es ist nicht der winzige kleine Mensch alleine in diese Welt geworfen, der traurig vor sich hinvegetiert. Es gibt das Glück (und auch Spaß), und sogar sowas wie Ewigkeit. Es liegt in der Identifikation, mit dem Mit-Menschen
genauso wie mit dem Ganzen, mit dem Universum.

Uuuups, das ist jetzt schon wieder erklärungsbedürftig! Aber nicht mehr heute! ;-}

Wird fortgesetzt . . .

* zum Titel ~ der stammt aus einem Gedicht von Ernst Jandl

Eine Anmerkung zum Schluß ~ dieser Artikel ist direkt übernommen aus meinem Blog Notizen aus der Außenwelt, geschrieben im August 2011.

die indische Affenfalle und der Baum der Entscheidungen

Ob sie in der Realität funktionieren würde, darüber dürfen sich die Gelehrten streiten, bekannt wurde sie durch die als Roman gestaltete Tour-de-force durch die Philosophie „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten“ von Robert M. Pirsig (1974). Eine hohle Kokosnuß mit einem Loch in der Schale, an einem Pfahl oder Baum festgebunden, durch das gerade mal eben die ausgestreckte Hand eines Affen passt. In der Kokosnuß eine Handvoll Reis, die der hungrige Affe sich gerne holen würde. Aber sobald er seine Faust um den Reis schließt, passt sie nicht mehr durch das Loch und er ist gefangen. Läßt er den Reis los, ist er frei . . .

Methusalem-Korkeiche in Portugal
Methusalem-Korkeiche in Portugal

Ein schönes Bild dafür, daß wir alle Gefangene unserer Wünsche und Begierden sind. In der Regel zwingt uns niemand mit vorgehaltener Waffe zu unserem Leben, auch eine Peitsche werden wohl wenige von uns zu spüren bekommen. Wir selbst wählen uns unser eigenes Gefängnis. Die Freiheit auf der anderen Seite bleibt aber auch nur eine Worthülse, wenn wir nicht die Frage stellen: frei zu was?

Was wollen wir also haben, noch wichtiger, wer und was wollen wir sein? Und was ist uns wichtig, wert genug, um Einschränkungen unserer Freiheit aufzuwiegen? Welchen Weg wollen wir gehen? Jede Entscheidung, die wir treffen, öffnet auf der einen Seite einen Raum der Möglichkeiten, in dem und in den wir uns entfalten können, in dem aber auch Risiken und Gefahren lauern können. Auf der anderen Seite lassen wir Abzweigungen hinter uns, die in Gegenden führen, die uns vielleicht für immer unbekannt bleiben werden.

Stellen wir uns einen Baum vor, fangen mit unserer Betrachtung unten an, am Stamm. Wenn wir unseren Blick nach oben gleiten lassen, stoßen wir auf die erste Gabelung. Sehen wir sie als eine Entscheidung, links oder rechts? Immer weiter lassen wir uns führen, folgen dem Weg der Gabelungen und Verzweigungen, vom Stamm zum Ast, zum Ästchen, zum Zweig, zu Blatt oder Nadel. Jede Entscheidung eine Richtungsänderung, bestimmend dafür, wohin sich unser Leben entwickelt. Jede Entscheidung in der Vergangenheit eine Erklärung für den Punkt, an dem wir in der Gegenwart sind, jede aktuelle Entscheidung (und nur in dieser Gegenwart haben wir eine Wahl) eine Tendenz für die Richtung, in die sich unser Leben entwickeln wird.

An jeder Gabelung, jeder Verzweigung müssen wir uns entscheiden, in welche Richtung wir uns auf dem Weg zum Licht bewegen wollen. Auf dem Weg dahin mögen sich Äste kreuzen, Zweige von verschiedenen Ästen den von Ihnen beanspruchten Raum durchdringen, aber nie wird ein Zweig am selben Platz eines anderen sein. Jede Verzweigung bestimmt den Raum, den sich der Zweig erobert. Ziel ist immer das Licht, die Energie zur Photosynthese.

Schließen wir zurück auf den Menschen, uns selbst. Jede Entscheidung, kleine oder große, hat Einfluß auf den Weg, den unser Leben nimmt. Nicht nur im Äußeren, dem Weg in unserer Gesellschaft, in Beziehung oder Karriere, auch in unserem Inneren, im Kern unseres Denkens, unserem Gehirn. Je nach dem, mit was wir uns beschäftigen, verknüpfen sich Neuronen zu Netzen, zu Räumen, in denen Wissen und Erfahrung nicht nur statisch aufbewahrt, sondern dynamisch entwickelt wird. Je komplexer diese Netze geknüpft werden, desto mehr neue Erkenntnisse können an die Knotenpunkte angeheftet werden.

Ob wir uns mit dem Programmieren von Computern, dem Reparieren von Motorrädern oder Autos, der Erziehung von Kindern, der Politik oder der Entwicklung von Aktienkursen beschäftigen, unser Gehirn entwickelt dazu die nötigen Netze, um das benötigte Wissen zu ordnen und zu kanalisieren, wenn nötig zu immer komplexeren Strukturen und Zusammenhängen. Individuell für jeden von uns nach den jeweiligen Bedürfnissen.

Je nach dem, mit was wir unser Gehirn füttern, entwickeln sich unsere Fähigkeiten, oder sie stagnieren oder degenerieren sogar. Wer seinen Körper mit Fastfood mästet, mag zwar an Gewicht zulegen, tut damit aber nicht notwendigerweise etwas für seine Fitness. Gesünder ist allemal eine abwechslungsreiche, möglichst naturbelassene Kost und weniger Süßkram. Dazu ausreichend Bewegung. Auch das Gehirn, auch der Geist entwickelt sich bei weitem besser mit möglichst abwechslungsreicher Kost aus unterschiedlichsten Wissensgebieten, und sehr viel weniger Fastfood aus dem, was uns aus Unterhaltungsmedien und Computerspielen vorgekaut dargereicht wird. Und auch dem Gehirn tut Bewegung gut, immer mal wieder neue Inhalte. Die Hirnschale ist schließlich annähernd rund, damit das Denken seine Richtung wechseln kann!

Zurück zu unserem Baum der Entscheidungen. Bis jetzt haben wir das betrachtet, was vom Stamm aus nach oben ragt, zum Himmel, zum Licht. Für uns unsichtbar und in der Regel unbeachtet erstreckt sich unterirdisch noch ein viel weiteres und komplexeres Netz, das der Wurzeln, mit dem der Baum lebensnotwendiges Wasser und Mineralien ansaugt. Dazu geht er sogar Symbiosen ein mit Bakterien, Pilzen und Insekten. Sowohl hier wie auch im Dickicht der Zweige und Blätter steht der Baum jederzeit im regen Austausch mit seiner Umgebung, mit Welt, mit Universum.

Die meisten Menschen sind sich nicht dessen bewußt, wie sehr ihre Welt, ihr Wissen um die Welt, von vielen tausenden Generationen unserer Vorfahren erarbeitet worden ist, seit die Menschheit von den Savannen von Afrika aus sich über den Erdball ausgebreitet hat. Wir stehen nicht nur auf den Schultern von Giganten, wie Isaac Newton das einmal in einem Brief an Robert Hooke ausgedrückt hat. Wir profitieren von einem Wissen, das Millionen längst zu Staub zerfallene Menschen uns hinterlassen haben.

Wir selbst, jeder von uns, sollte sich sowohl der Resourcen des weit verzweigten Wurzelnetzes als auch des offenen Raumes der Möglichkeiten der Baumkrone bewußt sein, um für uns selbst und auch unsere Mitmenschen Entwicklungsmöglichkeiten zu erschließen.

Sinn macht Freude!

Metasoph? ~ das Möbiusband

Bevor noch einmal jemand nach dem Begriff des Metasophen fragt, kommt hier eine Erklärung: das ist eine eigene Wortschöpfung, die mit meiner Neigung zusammenhängt, alles aus einer übergeordneten Perspektive, der Metaebene, zu betrachten. Wie bitte? Was will das heißen?

das fast magische Möbius-Band
das fast magische Möbius-Band

Das schönste Bild dafür, das mir dazu einfällt, ist das phänomänale Band des Herrn Möbius , das man sich recht einfach aus einem Streifen Papier herstellen kann ~ und sollte, um die folgenden Erläuterungen aus eigener Erfahrung nachvollziehen zu können.

Man nimmt also einen Streifen Papier, dreht ein Ende um 180° und klebt die beiden Enden dann zu einem Ring zusammen. Aus dem zweidimensionalen Papierstreifen entsteht so ein dreidimensionales Objekt mit fast magischen Eigenschaften. Versuchen Sie eimal, eine gestrichelte Mittellinie auf eine Seite dieses Streifens aufzumalen ~ ~ ~ das dauert länger als zuerst gedacht, denn irgendwann stoßen Sie wieder auf den Anfang Ihrer gestrichelten Linie, und keine Seite des Streifens bleibt leer. Denn das Möbiusband hat nur eine Seite, und auch nur eine Kante, wie man genauso mit einem Stift kontrollieren kann.

Eine Ameise, die das Band entlanglaufen würde, könnte also endlos weiterlaufen, würde mal aufrecht, mal kopfüber laufen, aber in der Theorie (solange man unterstellt, daß sie sich nur mit den Augen orientiert und dem zweidimensionalen Pfad des Bandes hinterherläuft) nicht bemerken, daß sie immer wieder im Kreis herumläuft. Die ‚wahre‘ Natur des Möbiusbandes erschließt sich ihr nur, wenn sie ihrem Geist eine Ebene, eine Dimension mehr eröffnet.

Der Ausstieg aus dem ewigen Kreislauf und die Erkenntnis über dessen Natur ist oft erst dann möglich, wenn man die Ebene der alten Erfahrung erweitert und aus einer höheren Perspektive neu bewertet.

Aber das Möbiusband erlaubt noch mehr erkenntnisreiche Spielereien. Schneiden Sie das Band einmal entlang der gestrichelten Mittellinie auseinander. Na? Spannend, nicht wahr? Wiederholen Sie die Sache mit der Mittellinie und schneiden Sie noch einmal. Oder dritteln Sie das Band.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und den einen oder anderen Aha-Effekt! 🙂

Bild Möbiusband Lizenz: CC BY-SA 3.0, Dank an Wikipedia!

Perspektive, Perspektiven

Als Mensch, der seit früher Jugend versucht, seinem Er-Leben dieser Welt mit der Kamera in der Hand Ausdruck zu geben, möchte ich als Einleitung zu diesem Blog einen Begriff als Dreh- und Angelpunkt in den Raum stellen, der für mich nicht nur phototechnisch von zentraler Bedeutung ist: Perspektive.

Perspektive ~ hier im gewohnten Fall der Zentralperspektive mit der Neigung zur Tunnelperspektive
Perspektive ~ hier im gewohnten Fall der Zentralperspektive mit der Neigung zur Tunnelperspektive

Die Perspektive hängt wesentlich vom Standpunkt ab, von dem aus wir auf ein Objekt schauen, das wir in einem Bild einfangen wollen. Je nach dem, von wo aus (mehr links, mehr rechts, oben, unten, oder gar von der anderen Seite) wir auf ein Objekt blicken, erhalten wir ein anderes Bild. Im Gegensatz dazu ändert ein Zoom hinein oder heraus nur den Bildausschnitt. Hineingezoomt sehen wir mehr Details, herausgezoomt haben wir mehr Überblick, aber wenn man davon absieht, daß Objekte aus dem Bild herausfallen können, ändert sich nichts an der Beziehung der Objekte eines Bildes zueinander. Will heißen, grundsätzlich neue Erkenntnisse, neue Relationen, können wir nur dann erfassen, wenn wir unseren Standpunkt, und damit die Perspektive variieren.

Photographie ist Kommunikation, mit Bildern.
Schreiben, Reden ist Kommunikation, mit Bildern. Nur die Werkzeuge sind andere. Wichtig ist meiner Meinung nach die Erkenntnis, daß wir in jeglicher Kommunikation mit Bildern zu tun haben, Bilder austauschen, um uns gegenseitig unsere persönlich erlebte Welt begreifbar zu machen. Die eine, einzige, unwandelbare Wahrheit ist eine Illusion, es gibt nur Bilder der Welt, betrachtet von verschiedenen Standpunkten, betrachtet aus unterschiedlichen Blickwinkeln.
Neugier auf die Bilder des Gegenübers, Offenheit und Toleranz sind eine Basis, um zu gegenseitigen Erkenntnisgewinn und Vergnügen Bilder auszutauschen. Und damit diese Welt reichhaltiger, bunter, und auch interessanter zu machen.

Auf der anderen Seite stehen die Menschen, die ihr Bild von Welt für die eine unbestreitbare Wahrheit halten, die sie gegen die von anderen Menschen vehement verteidigen zu müssen glauben. Ohne das Bewußtsein, daß man nur über Bilder, gesehen vom eigenen Standpunkt, aus der eigenen Perspektive, spricht, führt das dann in der Regel zu aggressiv geführten Diskussionen. Dabei spricht man nur über Facetten einer Wirklichkeit, die Mensch (sowohl als Individuum als auch als Menschheit) allenfalls erahnen kann.

Im Bewußtsein, daß die Welt von facettenreicher, schillernder Gestalt ist, kann man die Bilder, die einem von anderen Menschen übermittelt werden, erfassen und darauf hin überprüfen, ob sie mit der selbst beobachteten Welt übereinstimmen, ob sie neue Erkenntnisse bringen, Lücken füllen, eine erweiterte Sicht der Wahrheit sein könnten. Um dann, und erst dann zu entscheiden, ob das ein „genau, so ist das, so habe ich das vorher nie gesehen“, oder ein „so könnte man das auch sehen“, oder aber ein „nun denn, so sieht das also der eine oder andere“ ist. Ob man das in sein Bild der Welt einfügt, oder doch eher nicht. Und dann wenigstens die Erkenntnis mitnimmt, daß diese Welt für andere, von deren Standpunkt aus, doch ganz anders aussieht.

Auf einen, entscheidenden Punkt kommt es allerdings immer an: funktioniert dieses Bild, hilft es, die selbst erlebte Welt zu verstehen und mit ihr, in ihr zu leben? Nach Möglichkeit wenn nicht glücklich, zumindest zufrieden zu leben? Wenn ja, dann ist alles gut. Wenn nein, dann sollte man anfangen, sich Gedanken zu machen. Denn mit nichts kann man  sein eigenes Leben so sehr aus der Balance bringen, wie mit einem nicht oder schlecht funktionierenden Bild von Welt und dem eigenen Standpunkt in ihr.